Ansturm von Schwangeren auf Kliniken
01.08.2007: Das Hamburger Abendblatt und Katja Husen zum Ansturm von Schwangeren auf Kliniken, von Geneviève Wood, Tanja Gerlach
Geburten Kreisssäle ausgebucht - Asklepios muss extra Personal einstellen
Albertinen-Geburtszentrum: Zahl der Anmeldungen stieg um fünf Prozent. Politiker sehen verschiedene Gründe für Boom.
Zärtlich hält Jack Kingscott (25) seine Hände auf den Bauch seiner Frau Stephanie (25). Es ist ihr erstes Kind, das dort heranwächst. Sie sind nicht die einzigen werdenden Eltern an diesem Nachmittag in der Schwangerenambulanz des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE). Die Australierin ist eine von Tausenden schwangeren Frauen in der Hansestadt, die in diesem Jahr Mutter werden. Wie das UKE verzeichnen auch die anderen Hamburger Kliniken einen Ansturm von Schwangeren. Im Albertinen-Geburtszentrum stieg die Zahl der Anmeldungen für Geburten um fünf Prozent. Die Asklepios-Kliniken Hamburg mussten zusätzliches Personal einstellen, um dem Ansturm gewachsen zu sein. Beispiel: Die acht Kreißsäle der Asklepios Klinik Barmbek sind rund um die Uhr belegt. "Wir haben bis zu 20 Geburten täglich", so Oberärztin Dr. Michaela Reitmeyer.
Behörden und Politiker sehen verschiedene Gründe für diesen Babyboom. Für Hartmut Stienen, Sprecher der Gesundheitsbehörde, ist es das Konzept der Wachsenden Stadt, "das jetzt greift". Immer mehr Hamburger Firmen praktizierten eine familienfreundliche Personalpolitik. "Die Kinderbetreuung in Hamburg ist sehr gut ausgebaut." Jeder habe einen Rechtsanspruch auf Betreuung: "Das reizt, viele Kinder zu bekommen." Katja Husen, Gesundheits- und Familienexpertin in der GAL-Fraktion, macht den "zyklischen Rhythmus" für den Anstieg verantwortlich: "Ich habe damit gerechnet." Die geburtenstarken Jahrgänge, die heute zwischen 30 und 40 Jahre alt sind, würden erst jetzt Kinder bekommen. "Früher hat man mit 23 Jahren Kinder bekommen, heute kommt die Familie meist nach der Ausbildung." Wichtig sei nun, den Familien mehr Wohnraum zu bieten. Carola Veit, familienpolitische Sprecherin der SPD, stimmt ihr zu. "Es reicht nicht, dass Hamburger mehr Kinder bekommen", sagt sie. "Die Familien müssen dauerhaft bleiben, nicht ins Umland ziehen."
Martina Kaesbach, Familienexpertin der FDP, sieht einen Wandel in der Gesellschaft: "Familie ist wieder in Mode." Das Elterngeld trage dazu bei, dass sich mehr Hamburger trauen, Kinder zu bekommen. Hausfrau Susanne Jansen (36) sieht das anders. Das Elterngeld habe keine Rolle gespielt: "Wir mögen Kinder einfach", sagt sie.
