Süchte, Duelle und der Wille des Volkes
03.02.2007: ...und noch einmal das Hamburger Abendblatt und Katja Husen zum Rauchverbot, dieses mal im Rathaus
Von Jens Meyer-Wellmann
Eines der offenherzigsten Geständnisse der Woche gab es am Donnerstag. "Ich bin süchtig", bekundete die SPD-Abgeordnete Andrea Hilgers in der Bürgerschaft. "Die anderen gehören vor dieser Sucht geschützt." Bei dem Geständnis ging es zwar nicht um illegale, aber um eine in Wahrheit harte Droge: Nikotin. Für eine Raucherin war Hilgers Eingeständnis während der Debatte um Nichraucherschutz ungewohnt deutlich, denn letztlich bedeutet es: Die meisten Raucher können nur dort aufs Qualmen verzichten, wo es tatsächlich verboten ist.
Auch CDU-Gesundheitspolitiker Harald Krüger, selbst Zigarilloraucher, räumte ein: "Der Versuch, den Nichtraucherschutz über freiwillige Regelungen zu verbessern, ist gescheitert." Gleichwohl ärgerte sich Krüger, dass SPD und GAL das Thema angemeldet hatten. "Das ist reiner Aktionismus", so der CDU-Mann, der auf eine Einigung der Bundesländer hofft. GAL-Gesundheitspolitikerin Katja Husen dagegen plädierte dafür, dass Hamburg "Vorreiter beim Nichtraucherschutz" werden müsse. Nicht nur in Gaststätten, auch in Diskotheken, Bars, Einkaufszentren und Taxis solle das Rauchen verboten werden - ebenso wie im Rathaus.
Beim letzten Punkt wird den rauchenden Volksvertretern und Medienleuten quer durch die Bänke blümerant. Bisher qualmen sie munter in Rauchkabuffs und auf den Fluren - obwohl die Feuerwehr vor dem Anspringen der Rauchmelder warnt. Nicht auszudenken, wenn das Quarzen da verboten würde: Dann träfe man einige der wichtigsten Politiker und Kommentatoren der Stadt regelmäßig auf dem verregneten Rathausmarkt - bibbernd zusammengedrängt mit der Kippe in der Hand.
Hamburger Abendblatt am 3. Februar 2007
