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Zu geringe Budgets: Ärzte verlassen sozial schwache Stadtteile

29.01.2007: Das Hamburger Abendblatt und Katja Husen über Ärztemangel in Hamburgs Problemvierteln:

Viele Hausärzte in sozial schwachen Stadtteilen wie Wilhelmsburg, Billstedt und Mümmelsmannsberg können nur noch eine Grundversorgung gewährleisten.

Schuld ist das hohe Patientenaufkommen bei gleichzeitig geringen Budgets. Die Folge - immer weniger Ärzte wollen sich in den Brennpunkten niederlassen. Zahlreiche Stadtteile der Hansestadt sind deshalb bereits medizinisch unterversorgt.

Auf der Veddel kümmern sich derzeit nur noch zwei Ärzte um 4875 Einwohner. Die Lage droht zu eskalieren. Ärzte, Patientenverbände, Politiker und auch die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg (KVH) schlagen Alarm.

Einer, der aufgibt, ist Dr. Orhan Balcioglu (45), Hausarzt in Wilhelmsburg. Der deutschstämmige Türke will seine Praxis verkaufen und ins Ausland ziehen. Immer wieder hat er versucht trotz überschrittenen Budgets jedem seiner 2000 Patienten gerecht zu werden. Ein fast aussichtsloses Unterfangen. Und selbst die Aufgabe seiner Praxis macht Probleme, denn niemand will seinen Platz übernehmen. Balcioglu könnte seine Zulassung an einen Kollegen verkaufen, der dann nach drei Monaten eine Praxis in einem anderen Stadtteil eröffnet. Das ist zwar legal, hilft aber den Menschen in Wilhelmsburg nicht.

"Wir haben ein Problem mit der Abwanderung der Ärzte von armen in reiche Stadtteile", sagt Dr. Michael Späth (46) von der Kassenärztlichen Vereinigung. Das kommt nicht von ungefähr: Um kostendeckend zu arbeiten, müsste jeder zehnte Patient privat versichert sein. In den armen Stadtteilen sind es durchschnittlich ein bis zwei Prozent. In Wilhelmsburg sind nach Angaben von Michael Späth 90 Prozent der Patienten bei der AOK versichert, die vergleichsweise wenig für ihre Mitglieder zahlt.

Katja Husen, gesundheitspolitische Sprecherin der GAL-Bürgerschaftsfraktion, setzt sich für eine Unterteilung des Hamburger Bereichs ein. Sie wünscht sich einen Runden Tisch, an dem Wissenschaftler, Politiker und Fachleute Lösungsmodelle erarbeiten - zum Beispiel finanzielle Anreize für junge Ärzte, sich in sozialen Brennpunkten niederzulassen. Ein Vorschlag, den auch Harald Krüger (CDU) unterstützt. Ansonsten sieht er die Verantwortung aber bei der KVH. "Ich appelliere an die KVH, ihren Sicherstellungsauftrag zu erfüllen", so Krüger. Tanja Bestmann (SPD) votiert für eine Aufteilung der Stadt in Bezirke, sodass sich nicht jeder Arzt dort niederlassen kann, wo er es möchte.

tge, rek erschienen am 29. Januar 2007 im Hamburger Abendblatt

Zugehörige Dateien:
HA-Zu geringe Budgets_070129.pdfDownload (59 kb)
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